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Der Text des Monats Februar.
Ich saß mit meiner Frau in unserem Wohnzimmer, sie las in einer
Zeitschrift und ich starrte trübsinnig aus dem Fenster, nach draußen,
wo das Wetter halbherzig versuchte, wie ein echter Winter zu wirken. Es
gelang ihm nicht einmal annähernd.
Aus dem Kamin drang ein Zischen, wie ein Tropfen Wasser, der auf eine
heiße Herdplatte fällt. Erst einmal, dann noch einmal, dann
glühte es unter dem Kaminsims auf. Unser Draak schob sich heraus,
eine Art lebende Feuerkugel, die mein Vater uns im letzten Winter geschenkt
hatte. Er sah mit seinen kleinen Kohlenaugen zu mir herüber, dann
schwebte er auf mich zu.
Esss issst kalt, beschwerte er sich. Sssst! Schhhon
ssso lange kein Feuer! Nassss issst esss, und ichhh bekomme Ssssnupfen.
Er schniefte noch einmal.
Wir haben acht Grad plus, sagte ich, und da mache ich
kein Feuer im Kamin. Wieso ist das überhaupt ein Problem? Du hast
doch dein eigenes Feuer.
Ja, schhhon, brummelte er, aber ichhh brauchhhe die
Hitssse, sssonssst werde ichhh krank. Er hüstelte, und dann
wurde der Husten stärker, die ganze Feuerkugel bebte, und er stieß
eine dicke Rußwolke aus.
Verdammt noch mal, rief ich, was soll das?
Eingeschüchtert sauste er in den Kamin, aber meine Frau legte die
Zeitschrift beiseite und meinte mitleidig: Sei doch nicht so streng
mit dem Kleinen. Ich fürchte, jetzt hat er sich zum Schnupfen noch
einen Rauchhusten geholt. So kann das wirklich nicht weitergehen
ich glaube, wir sollte ihn zur Kur in einen Hochofen schicken.
Ohhh, wirklichhh? Der Draak kam wieder aus dem Kamin herausgeflitzt.
Tausssend Grad Hitssse! Richhhtig heisss! Dann sah er mich
bittend an. Dasss wäre schhhhön! Machhht ihr dasss?
Also gut, sagte ich besänftigt. Wir besorgen dir
noch heute einen Platz für die Kur. Aber bis dahin achte gefälligst
darauf, dass du nur im Kamin hustest und uns nicht die ganze Bude vollrußt.
Er nickte eifrig und hängte sich unter den Kaminsims.
Meine Frau grinste und griff wieder nach ihrer Zeitschrift.
Was liest du da eigentlich? wollte ich wissen.
Das moderne Haustier lecker, nützlich oder elegant
, las sie mir vor. War als Sonderbeilage im Beschwörer-Magazin.
Wusstest du, dass das beliebteste Haustier im Moment die Chimäre
ist?
Was finden die Leute nur an diesen blöden Viechern? wollte
ich wissen. Seidiges weißes Fell haben sie ja, aber sie sind
zu blöd, um geradeaus zu laufen, und sie stinken nach Ziegenbock
und Raubkatze gleichzeitig.
Und bekommen jede bekannte Huftier-, Katzen- oder Vogelkrankheit,
stimmte meine Frau mir zu. Das ist doch wieder nur so eine Modeangelegenheit
wie vor ein paar Jahren mit den Greifen. Jeder wollte einen haben, aber
dann haben sie sie mit Tischabfällen gefüttert, bis sie nicht
mehr fliegen konnten und an Herzverfettung gestorben sind, oder den Leuten
wurden die Greife zu teuer, und sie haben sie ausgesetzt. Auf jeder dritten
Straßenlaterne saß einer und lauerte darauf, dir das Fischbrötchen
aus der Hand zu reißen.
Tja, dank der Vogelgrippe sind wir das Problem jetzt los,
sagte ich. Was steht denn sonst noch so in dem Heft? Gibt es irgend
ein nettes, pflegeleichtes, vielleicht sogar dazu noch nützliches
Haustier, das du dir in unserem Haus vorstellen könntest?
Was, neben einem frechen Draak, einer äußerst bissigen
Fleisch fressenden Pflanze und sie warf einen Blick auf den
Boden, wo eine Gruppe kleiner dreieckiger Flossen ihre Kreise durch den
Flor zog nicht zu vergessen den Teppichhaien?
Trotzdem blätterte sie in dem Heft. Übrigens, Greife sind
immer noch im Angebot ... eine Schaukelschnecke für den Garten, die
wird bis zu einen Meter groß ich möchte nicht wissen,
was die Nachbarn sagen, wenn sie deren Salatbeet entdeckt ... Albino-Fledermäuse
... Wer-Katzen verwandeln sich bei Vollmond in Gartenzwerge ...
solarbetriebene Rennmäuse ... Flössel-Bussarde wie Fliegende
Fische, nur umgekehrt ... nein, ich glaube, das ist alles nichts für
uns. Was ist mit den eher nützlichen Tieren?
Sie blätterte weiter. Größtenteils das übliche:
Schuhlöffel-Störe, verschiedene Plättfische die
bekannte Bügelhilfe, Bandschnecken und Schurwürmer
also ich weiß nicht, ich könnte kein Tier zu einer Schleife
binden, selbst wenn es immer heißt, dass es ihnen nichts ausmacht.
Oder was hältst du von einem Schriftbarsch? Hier steht: Die
biologisch-dynamische Alternative zum E-Book-Reader, kommt mit praktischem
Reiseaquarium.
Nein, ich möchte etwas, das frei in der Wohnung herumläuft,
und nicht solchen Schnickschnack, gab ich zurück.
Mal sehen ... Bootshunde mit Rettungsschwimmer-Zeugnis ... Flachdackel
mit extragroßer Abstellfläche ... Mordkaninchen Mordkaninchen??
Oh... Sieh mal. Sie reichte mir die Zeitung und deutete auf das
Bild. Ich schauderte.
Warte mal, was ist das? rief sie plötzlich und nahm mir
die Zeitung wieder aus der Hand. Duft-Schildkröten? Gezüchtet
aus der wild vorkommenden Bärlauch-Schildkröte, die mit ihrem
Duft Feinde abschreckt ... jetzt erhältlich in den Geruchsrichtungen
Vanille, Erdbeer-Kokos und Kardamom-Zimt ... sanfter, lebenslang anhaltender
Duft ... Haustier und Raumbeduftung in einem ... freundlich, langlebig
und pflegeleicht. Kardamom-Zimt klingt gut... Was denkst du?
Ich sah meiner Frau über die Schulter und las den Artikel. Klingt
nicht schlecht. Und wir können ihr bieten, was sie braucht
warum nicht? Das ist vielleicht wirklich das ideale Haustier für
uns.
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